Aktuelle Fakten zum derzeitigen Rindermarkt – Trends & Szenarien

Veröffentlicht am 14. Juni 2022

Im ersten Quartal 2022 hatte sich der Rindfleischmarkt sehr positiv entwickelt – getrieben durch ein knappes Angebot und einer sehr guten Nachfrage auf den meisten europäischen Märkten. Aufgrund eines starken Konsum-Rückganges im Frischfleisch-Bereich sowie bei Verarbeitungsware kommt es seit 4 Wochen jedoch zu massiven Einbußen am europäischen Rindfleisch-Markt.

Einer der Hauptgründe für den Konsum-Rückgang liegt in der Teuerung von bis zu 20 % für Rindfleisch. Dadurch zeigen sich die Konsumenten beim Einkauf zurückhaltend. Gleichzeitig gibt es seit Kurzem wieder vermehrt südamerikanisches und neuseeländisches Fleisch im Gastro­großhandel, Gastronomen reagieren preissensibel und setzen deutlich weniger auf österreichisches Qualitätsfleisch als in den letzten beiden Corona-Jahren. Der Gedanke der Versorgungssicherheit in Österreich, nachgefragt durch den Konsumenten, musste der Preissteigerung zum Teil weichen.

Diese Tendenz zeigt sich auch im BIO-Bereich. Auch hier kommt es europaweit zu Umsatz­einbußen von bis zu 30 %. Dies hat zur Folge, dass die Zuschläge auch in Österreich deutlich nach unten korrigiert werden mussten. Die überzogene Preispolitik beim Jungstier in Deutschland führte in den letzten 4-5 Wochen mittlerweile zu Preisreduktionen von ca. 1,20 €. Österreich liegt dazu im Vergleich bei ca. 50 Cent.

Hier ist es wichtig, sich genau anzusehen, welche Faktoren zur Inflationssteigerung beitragen: In der öffentlichen Berichterstattung werden oft die Lebensmittel, im Speziellen Fleisch, als Preis­treiber dargestellt. Dementsprechend sieht die Wahr­nehmung beim Konsumenten aus: Es wird die Botschaft vermittelt beim Einkaufen sparen zu müssen, da angeblich vor allem die Lebens­mittel für die Verteuerung im Warenkorb verantwortlich seien.
Umso relevanter ist hier die Richtigstellung in der Berichterstattung: Die wahren aktuellen Preistreiber sind im Energie- und Treibstoffbereich zu finden! Den Konsumenten muss aufgezeigt werden, welche Faktoren tatsächlich für die Ver­teuerung verantwortlich sind.
Derzeit werden die EZG bzw. die Rinderbauern dafür abgestraft: Es wird weniger Rindfleisch gekauft bzw. konsumiert – die Konsequenzen für die Landwirte liegen auf der Hand!

Daher appellieren die österreichischen Rinderbauern an dieser Stelle an die Konsumenten, zu Österreich zu stehen! Nur durch eine bewusste Entscheidung im Lebensmitteleinzelhandel, im Gastrogroßhandel sowie in der Gastronomie zu österreichischem Fleisch zu greifen, kann die Versorgungssicherheit in Österreich gewährleistet werden.

Aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise, vor allem im Futtermittelbereich, kam es zu einer Verdoppelung der Kosten bei den Rinderbauern. Sollte es zu weiteren Preissteigerungen kommen, ist eine wirtschaftliche Rindermast nicht mehr möglich. Die Konsequenzen: Die Betriebe verkaufen das Getreide und werden nicht mehr weiter einstellen. Die Produktion von Rindfleisch und somit die Eigenversorgung nimmt dadurch ab.

DI Werner Habermann, Geschäftsführer der ARGE Rind, appelliert an Konsumenten, LEH und Gastronomen: „Wenn uns jetzt nicht bewusst wird, dass wir alle im gleichen Boot sitzen und daher zusammenhalten müssen, ist eine Versorgungssicherheit von Rindfleisch mittelfristig in Österreich nicht mehr zu halten. Natürlich ist die Versuchung gegeben zum billigeren Rindfleisch (Importware) zu greifen, doch dies führt nur dazu, dass immer mehr Landwirte ihre Produktion aufgeben. Vielen Konsumenten ist das nicht bewusst – und auch nicht, dass sie durch ihre Entscheidung und Nachfrage steuernd eingreifen können!“

Die Erzeugergemeinschaften versuchten gemeinsam mit ihren Partnern entlang der Wert­schöpfungs­kette die Märkte zu entlasten. Vermehrt wird auf Vermarktungsaktivitäten (Aktionen) mit dem LEH gesetzt.

Obmann der ARGE Rind, Ing. Josef Fradler richtet sich direkt an die Bauern: „Zukünftig kann es nur einen strategischen Ansatz geben, wenn wir als Landwirtschaft gemeinsam stärker werden wollen gegenüber unseren Abnehmern. Derzeit haben wir mit 30 % Marktanteil nicht die Kraft am Markt zu reagieren und entgegenzuhalten. Solange 70 % der Bauern zu billigeren Konditionen liefern, können wir die Markt­steuerung nicht in den Griff bekommen – und wir werden dadurch alle die Verlierer am Markt sein. Ein wirkungsvolles Eingreifen und Steuern am Markt kann nur über eine starke Bündelung durch die Erzeugergemeinschaften funktionieren. Darum der Aufruf an alle Rinderbauern und Rinderbäuerinnen: Wir können nur gemeinsam die Dinge am Markt regeln, sonst werden wir aufgrund der Zersplitterung des Angebotes nicht gehört werden!“